Skurril, ironisch, witzig: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

 


Titel: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Autor: Jonas Jonasson

Verlag: C. Bertelsmann

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (5,0 / 5)
Spannung: (3,0 / 5)
Sprache: (5,0 / 5)

Kaufempfehlung: ja

Leseempfehlung: im Alltag


Dieses Buch war allein schon deswegen, etwas ganz besonderes für mich, weil es das erste war, das ich vor dem Tag seiner Veröffentlichung bekommen hatte.

Das soll meiner Bewertung aber keine Richtung vorgeben.

Beim Hundertjährigen, der zurückkam, um die Welt zu retten – kurz Allan – handelt es sich um einen Mann, der das Leben zum Glück nicht so ernst nimmt. Es ist mittlerweile der vierte Roman dieses Autors, den ich gelesen habe und das hat auch seine Gründe 🙂

Nach dem Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand – insgesamt ein sehr langatmiges und für mich teils schwer verständliches, aber total innovatives Buch – traf der Autor mit der Analphabetin, die rechnen konnte und seinem Roman von Mörder Anders voll meinen Geschmack.

Meine Erwartungen an diese Lektüre waren also gespalten. Immerhin mochte ich die neuen Romane sehr, aber der erste Teil des Hundertjährigen blieb mir als Anstrengung in Erinnerung.

Allan und Julius beginnen ihre Reise relativ schnell auf einem Kriegsschiff der nordkoreanischen Marine, das versucht, Uran über eine “geheime Route” zu schmuggeln. Unfreiwilliger Weise landen die beiden Freunde auf diesem Schiff und schlussendlich – wie sollte es anders sein – auch in Pjöngjang bei Kim Jong-un. Natürlich geraten sie unter dem herrischen Diktator in die ein oder andere ausweglos erscheinende Situation, aber Allans Leichtigkeit und Humor ebnen den Weg für die Flucht nach Schweden (über Umwege und Kontakte nach Deutschland und die USA).

…die Umstände sorgten letztlich doch dafür, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika gerade vier Kilo Uran aufgehalst hatten, säuberlich verpackt in einer nordkoreanischen Aktentasche. Und keiner ahnte etwas.


Was Jonas Jonasson ebenso auszeichnet, wie seine Ideen, kreative Geschichten zu gestalten, ist die politisch-kritische Beschreibung des aktuellen Weltgeschehens:

Allan und Donald hatten mehr gemeinsam, als man aufs Erste gedacht hätte. Zum Beispiel beerbten sie beide ihre Eltern. Allan bekam eine Hütte ohne Wärmedämmung oder fließend Wasser irgendwo in den Wäldern in der Nähe von Malmköping in Sörmland, während der Vater des jungen Donald ihm siebenundzwanzigtausend Wohnungen im Zentrum von New York hinterließ.

Daraufhin erging es beiden Söhnen eine Weile gleich schlecht. Allan sprengte aus Versehen seine Hütte in die Luft und wurde damit obdachlos. Donald machte ungefähr dasselbe mit dem Imperium seines Vaters und rettete sich nur mithilfe einiger wohlwollender Banken vor dem Konkurs.


Die von der schwedischen Außenministerin Wallström in Diplomaten “verwandelten” Herren finden also genauso wie das, in Nordkorea gestohlene, Uran den Weg nach Europa, wo sie allerdings nicht lange verweilen können: Ihre Geschäftsidee der Firma “Stirb mit Stolz”, die individuelle Särge anfertigt, boomt.

Doch eine Verwechslung der Lieferung hat böse Folgen: Johnny, der als verbliebene Hälfte des Arischen Verbunds seinem Bruder, einem der gefährlichsten Menschen Schwedens, einen personalisierten Sarg bestellt, erlebt sein blaues Wunder:

Was Johnny hier als Ehren- und Respektsbezeigung für seinen Bruder besorgt hatte, war ein hellblauer Sarg, kein schwarzer. Statt Hakenkreuz und Flammen sah man auf den Längsseiten weiße Kaninchen über eine grüne Wiese hoppeln. Der Deckel wurde von bauschigen weißen Wolken geziert und darüber stand in Goldbuchstaben: “Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu.”

Wutentbrannt macht sich Johnny auf den Weg, um die dafür Verantwortlichen durchs Feuer zu jagen.

Und so sind Allan, Julius und Sabine (die ursprgl. Geschäftsinhaberin) mal wieder auf der Flucht.


Natürlich werden alle Geschehnisse stark durch Russlands Einfluss gelenkt. Putins Berater und bester Freund hat mal wieder seine Finger im Spiel:

Russland hatte unter Genas diskreter Leitung einen Krieg gegen die USA angefangen, ohne jemand davon zu erzählen. Eine ganze Armee aus jungen Männern und Frauen marschierte ins Netz, setzte sich bildlich gesprochen amerikanische Baseballkäppis auf, machte sich eine Dose Dr. Pepper auf – und ging zum Angriff über. Von innen.

Die Schlachten fanden auf Facebook, Instagram und Twitter, auf Blogs und Homepages statt. (…)

Der Sinn der Sache bestand darin, Amerikaner gegen Amerikaner zu hetzen.


Putin ist gefühlt der einzige Präsident, den Allan auf seiner Reise nicht trifft. Diese Reise jedoch ist lang: Dänemark, der Kongo, Indonesien, Tansania – kein Land ist vor Allan sicher.

…Präsident Putin wusste, wann er etwas sportlich zu nehmen hatte.

“Wir sind von einem Hundertjährigen hinters Licht geführt worden, Gena. Lass den alten Mann in Frieden. Jetzt müssen wir uns um eine Fußball-WM kümmern. Auf dass die bestgedopte Mannschaft gewinnen möge!”

Jonassons Umschreibung der verzwickten Situationen und sein extrem schwarzer Humor bekräftigen mich in meiner Fan-Eigenschaft. Ich habe irre viel gelacht und mein Fazit lautet:

Ich liebe dieses Buch!

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