Die Hütte (von Paul William Young)

 


Titel: Die Hütte

Autor: Paul William Young

Verlag: Ullstein Buchverlage

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (5,0 / 5)
Spannung: (3,0 / 5)
Sprache: (3,0 / 5)

Kaufempfehlung: nein

Leseempfehlung: am Wochenende


  1. Start des Kinofilms
  2. Das Buch
  3. Zum Nachdenken
  4. Fazit

Start des Kinofilms: Aktuell werden deutsche Kinos mit dem Film “Die Hütte” (vom Produzenten von Life of Pi bzw. Blind Side) bespielt. Generell mag ich Geschichten lieber, wenn sie in meinem Kopf stattfinden können. Ein Buch ist oft besser als der Film dazu. Zumindest empfinde ich das so.

Als nun das Buch von William Paul Young als Kinofilm inszeniert wurde, stand ich vor der Frage: Buch lesen oder Film ansehen?


Das Buch: Viele Empfehlungen haben mich zum Buch greifen lassen und nun bin ich fast fertig. Es ist voller Notizzettel und Ideen dazu. So gesehen hat auch “Die Hütte” einen Mehrwert für mich gehabt, wie fast jedes Buch.

Mac, ein sympathischer junger Familienvater fährt mit seinen Kids in den Urlaub. Missy, seine jüngste Tochter, verschwindet auf einmal spurlos. Die Suche nach dem Kind führt Ermittler in eine heruntergekommene Hütte im Wald, die Macs schlimmste Befürchtungen wahr werden lässt, weil sie dort Missys blutverschmiertes Kleid auffinden.

Zwei Jahre später bekommt er einen Brief, der ihn auffordert zu dieser Hütte zu kommen und mit “Papa” unterzeichnet ist. So macht sich Mac auf zu einer spannenden Reise und einem noch viel spannenderen Wochenende mit Papa, Jesus und Sarayu (dem heiligen Geist).


Zum Nachdenken:

Hintergrund zur Idee dieses Buches war, dass der Autor seinen Kindern die Dreieinigkeit Gottes anschaulich erklären wollte. In einigen Beispielen gelingt es ihm, Vergleiche zu ziehen, die ich sehr gut finde:

Als wir drei als Sohn Gottes ins menschliche Dasein eintauchten, wurden wir voll und ganz menschlich. Außerdem beschlossen wir, alle Begrenzungen zu akzeptieren, die damit verbunden sind. Obwohl wir immer schon in diesem erschaffenen Universum gegenwärtig waren, wurden wir jetzt zu Fleisch und Blut. Es war, als würde dieser Vogel, dessen Wesen es ist, zu fliegen, sich dafür zu entscheiden, nur noch am Boden herumzulaufen. Er hört dadurch nicht auf, ein Vogel zu sein, aber seine Lebenserfahrung ändert sich erheblich.

(S. 125, im Gespräch mit Jesus über die Dreieinigkeit und das Menschwerden)

Gott, im Buch oft “Papa” genannt, entwickelt eine sehr innige Beziehung zu Mac, dem Protagonisten. Besonders gut gefällt mir dieser Satz:

Baue auf das Vertrauen, das du in mich hast, wie klein es auch sein mag, okay?

(S. 129)

Das Unheil und Leid auf der Erde wird damit begründet, dass wir Menschen uns zum Richter machen. Dass dies eine Endlosschleife in sich birgt, die sich wie eine Spirale immer weiter ins negative entwickelt wird damit begründet, dass wir das, was wir Menschen für gut halten, durchsetzen wollen. Zusätzlich gibt es aber Millionen andere Individuen, die vielleicht etwas anderes für gut empfinden und das verwirklichen wollen.

Wenn also dein Gut und Böse nicht mit den Vorstellungen deines Nachbarn übereinstimmt, geratet ihr in Streit oder es brechen gar Kriege deswegen aus.

(S. 170)

Unser Wunsch war es, ein Wesen zu erschaffen, das ein völlig ebenbürtiges und starkes Gegenstück hat – Mann und Frau. Aber euer Streben nach Unabhängigkeit (von Gott), nach Macht und Erfüllung zerstört genau jene Beziehung, nach der euer Herz sich so sehnt.

(S. 189, im Gespräch mit Jesus)

Du hast anhand von Hautfarbe, Körpersprache und Körpergeruch geurteilt. Du hast über den Zustand und die Geschichte zwischenmenschlicher Beziehungen geurteilt. Du hast sogar den Wert von Menschen entsprechend deinen Vorstellungen von Schönheit beurteilt. Du kannst also sehen, dass du sehr wohl über viel Praxis als Richter verfügst.

(S. 201, f.)

Bezugnehmend auf dieses letzte Zitat, muss ich auch mir die Schuld des Urteils (oder Vorurteils) eingestehen. Oft habe ich mich dabei direkt angesprochen und auch ertappt gefühlt.

Auch die Unabhängigkeit, die wir Menschen gesucht haben und deren Los wir nun tragen, beschreibt Jesus ziemlich treffend:

…ich erschaffe keine Institutionen. Das ist eine Beschäftigung jener Menschen, die gerne Gott spielen wollen. Ja, du hast recht, ich halte wirklich nicht viel von Religion (…) Auch nicht von Politik und Ökonomie (…) Und warum auch? Das ist die von den Menschen selbst erschaffene Dreifaltigkeit des Schreckens, von der die Erde verwüstet wird und jene getäuscht werden, die mir am Herzen liegen.

(S. 229)

Dass dieses Buch nicht die Bibel sondern eine fiktive Geschichte ist, muss hiermit noch mal konkret unterstrichen werden. Was aber zutrifft, ist die Liebe, die Gott uns schenkt. Auch seine Gnade werden wir immer finden:

Für die Gnade ist es nicht erforderlich, dass Leid existiert, aber dort, wo Leiden ist, wirst du immer auch die Gnade finden (…)

(S. 237)

Zu guter Letzt möchte ich noch den Beziehungs-Rahmen für ein Leben mit Gott definieren. Ich finde dieser Satz passt ausgezeichnet dazu. So sagt Gott (Papa) zu Mac

Verantwortlichkeiten und festgelegte Erwartungen sind die Grundlagen für Schuldgefühle, Scham und Verurteilungen, und sie erzeugen ein System, in dem Leistung zum einigen Kriterium für Identität und Ansehen wird. Du weißt selbst nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn man nicht die Erwartungen eines anderen erfüllt (…)Mein Liebling, ich habe niemals irgendetwas von dir oder einem anderen Menschen erwartet (…) Und: Weil ich nichts von euch erwarte, könnt ihr mich niemals enttäuschen.

(S. 264)

Gottes Kinder sind so frei, wie Kinder eben sind. Sie können spielen und basteln und wenn sie dabei etwas “leisten” ist das toll. Wenn kleine Kinder am Ende des Tages zurückblicken, dann legen sie keinen Wert auf Effizienz oder Fakten. Es ist ihnen egal, weil kein Erwartungsdruck herrscht. Ich bin so froh, dass wir dieses Geschenk von Gott bekommen haben.


Fazit: Die Geschichte, die Paul William Young schreibt, beginnt äußerst spannend und in gewisser Weise auch sehr brutal. Sie hat mich die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet. Manche Argumentationsstränge sind für mich nicht ganz rund. Die Liebe Gottes wird auch eher oberflächlich beschrieben. Dass Jesus, der heilige Geist und Gott immer lachen und so glücklich sind, das wird oft erwähnt. Ich gehe davon aus, dass der Autor damit die Liebe untereinander und auch zu den Menschen veranschaulichen wollte, leider kratzen diese Situationen nur sehr zaghaft an der Oberfläche. Ich hätte mir mehr Tiefgang in diesen Beschreibungen gewünscht. Somit würde ich dieses Buch nicht unbedingt weiter empfehlen. Ich konnte mir zwar gute Gedanken mitnehmen, aber dass die Dreieinigkeit besonders gut erklärt würde, kann ich nicht bestätigen. Für Interessierte bietet sich der Kinofilm wahrscheinlich besser an.

Lies doch mal:

2 Kommentare

  1. Der Film war für mich eine der Überraschungen in diesem Kinojahr. Ich war schon vor Avatar großer Fan von Sam Worthington – dass er die Hauotrolle spielt, war für mich die eigentliche Motivation den Film zu schauen und ich bin an das Thema bzw. die Umsetzung eher skeptisch rangegangen. Aber wow…der Film hat mich richtig abgeholt. Glaubensfragen in Film und Buch sind immer ein zweischneidiges Schwert. Hochemotionslisiertes Thema zu dem jeder seine eigene Meinung hat und viele eine Deutungshohheit für sich beanspruchen, statt andere Meinungen zuzulassen und zu respektieren. Nicht verwunderlich, dass Roman und Film auch polarisieren.
    Hast du den Film nach dem Lesen des Buches angeschaut? Und wenn ja wie empfindest du die Umsetzung?

    Buchige Grüße
    Christina

    1. Liebe Christina, du hast Recht: Glaube polarisiert extrem. Ich hab sehr viel Positives über den Film gehört. Auch von gläubigen Freunden. Deine Meinung scheint dem ja zu entsprechen. Ich selbst habe mich ehrlich gesagt ein bisschen davor gedrückt 🙂 …vielleicht, wenn er auf DVD rauskommt. Alles Liebe, Laura

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