Die Sprache der Liebe.

Ich persönlich lese keine Beziehungsratgeber (mehr). Ist es nicht meist schon zu spät, wenn man dann in letzter Instanz den Ratgeber aufschlägt? Äußerst liebes- und lebensunerfahren habe ich mein Single-Dasein genutzt, um in den allgemeingültigen Lexika, die sich auf die Fahnen schreiben, das Non-plus-ultra-Rezept für die absolut intimste und individuellste Daseinsform der Menschheit – die Paarbeziehung – parat zu haben, zu forschen.

Also setzte ich mich Anfang meiner Solo-20er mit der Lektüre für krisengebeutelte Langzeitpaare auseinander, um im besten Fall präventiv alle dieser, vom Ratgeber als “Fehler” deklarierte, Verhaltensweisen zu vermeiden. Ergebnis: Ich erinnere mich an nichts. Ich weiß nicht mal mehr, wie die Bücher heißen. Nur zwei Titel blieben mir vage im Gedächtnis. Conclusio: Vergeude deine Zeit nicht damit, Dinge zu Lesen, die für dich keine Relevanz haben! UND: Die beiden Bücher, die mich bis heute “verfolgen”, müssen also richtig gut gewesen sein, oder?! Eines davon ist “Männer sind Frauensache”. Ich weiß nur noch, dass ich es in einem Zug durchgelesen habe und sich mir einige Verhaltensmuster des Mannes in der Paarbeziehung durchaus schlüssig erklärt haben.

Der andere Ratgeber heißt “Die fünf Sprachen der Liebe”. Ein von befreundeten (Ehe)paaren viel gelesenes und zitiertes Buch. Es ist superschön, die Sprachen der Liebe (Zeit, Hilfsbereitschaft, Geschenke, Lob und Zärtlichkeit) zu erkennen, weil man das Buch gelesen hat und dann versteht “Ah, ja – damit sagt mir mein Partner jetzt, dass er stolz auf mich ist” oder “Das ist seine Art, mir seine Unterstützung anzubieten”. Aber ist es nicht viel spannender, von selbst den Wortschatz seiner besseren Hälfte verstehen zu lernen? Eigeninitiativ zu hinterfragen, warum jemand etwas macht bzw. wie er etwas macht und für sich selbst zu erkennen, dass diese Tat besonders ist?

Als ich mit meinem Freund ganz frisch zusammen war, hat er mir ein unglaublich teures und großes Geschenk gemacht. Ein paar Schuhe. Zwei Details – abgesehen davon, dass es SCHUHE <3 <3 <3 sind – machten dieses Geschenk für mich noch wertvoller:

  1. Obwohl sie ihm selbst nicht gefallen, hat er sie mir gekauft, weil er wusste, dass ich sie liebe! Selbstlos und ohne Konsum-Grund (Geburtstag, Weihnachten oder ähnliches) hat er sich ohne Termin ein Geschenk überlegt, das mir gefällt (nur mir in dem Fall), es organisiert und mir voller Vorfreude überreicht. Ich hab mich unbeschreiblich gefreut. Zeitgleich war ich aber auch überfordert, traute mich nicht das Geschenk anzunehmen und und konnte es gar nicht glauben. Solch ein Geschenk, nach so kurzer Zeit…
  2. Erst ein halbes Jahr nach der Schuh-Überraschung hat er mir die drei Zauberworte gesagt. “Aber ich wusste beim Schuhkauf schon, dass ich dich mal lieben werde!” Die schönste, zuversichtlichste und positivste Zustimmung für mich und für uns. Der beste Konter gegen meine damaligen Sorgen, Ängste und Zweifel. Seine Art zu denken und mich zu lieben hat dieses Geschenk zu dem besonderen gemacht, das es heute noch ist. Die Erinnerung an diesen Satz berührt mich Jahre später noch sehr.

Nun, mittlerweile ist dies nicht das einzige Geschenk, das ich bekommen habe und lange nicht das einzige Paar Schuhe 🙂 Meine Freundin hat gemeint “Vielleicht ist das seine Sprache der Liebe” und somit wären wir wieder beim Beziehungsratgeber, oder bei der Tatsache, dass ich (mit platzendem Schuhschrank) erkennen und verstehen darf: Es ist sicher nicht die gesamte Sprache der Liebe, aber ein Teil, eine Facette, wenn man so möchte, ein Dialekt.

Heute möchte ich ihm gerne in seiner Sprache mit diesem Bild ein ganz kleines Dankeschön zurück geben!

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