Eleanor Oliphant


Titel: Ich, Eleanor Oliphant

Autor: Gail Honeyman

Verlag: Bastei Lübbe AG

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (4,0 / 5)
Spannung: (4,0 / 5)
Sprache: (5,0 / 5)

Kaufempfehlung: ja

Leseempfehlung: im Alltag


 

Schrullig, geradeaus, witzig und ergreifend.

Eleanor lebt in ihrer eigenen Welt. Wo diese Welt auf die Realität (außerhalb ihrer Wohnung in Glasgow) trifft, kämpft sie an einer verhärteten Front um Verständnis. Und das tut sie auf so liebenswerte und lustige Art, dass man ihr gar nicht böse dafür sein kann, wenn sie Hochzeitslisten verteufelt:

“Diese Vermessenheit! In meinen Augen sind diese endlosen Liste neuer Teller, Töpfe, Gläser und Besteckgarnituren ein einziger Affront. Als hätten sie sich vorher das Essen mit den bloßen Händen in den und geschaufelt! Ich sehe wirklich nicht ein, weshalb man Freunde, Verwandte und Kollegen dazu verpflichten sollte, einem die neue Küchenausstattung zu finanzieren, nur weil man seiner zwischenmenschlichen Beziehung einen rechtlichen Rahmen gibt.” 

Im Laufe des Buches erlebt Eleanor eine Wandlung, die sprichwörtlich von aussen nach innen geht. Ohne oberflächlich wirken zu wollen, muss ich zugeben: Das macht sie noch sympathischer, denn ein Funke alter Eleanor bleibt erhalten und der äußert sich so:

“Feminin sein schien zu heißen, dass alles eine halbe Ewigkeit in Anspruch nahm und gründlich vorausgeplant sein wollte. Komplexität, die zugleich jeden Fortschritt verhinderte, denn ich wüsste nicht, wie man in Kitten Heels und Feinstrumpfhosen bis an die Quellen des Nils gelangen oder auf eine Leiter steigen sollte, um einen technischen Fehler am Teilchenbeschleuniger zu beheben.”

Sprachlich auf höchstem Niveau, intelligent und witzig. Leicht zu lesen, aber doch die Hirnwindungen auf Trapp haltend, führt Gail Honeyman den Leser durch ein relativ ereignisloses aber doch so bewegendes Leben. Meist geht es bergauf.

“Während Alter bei guten Weinen oder Stilmöbeln von Vorteil sein mag, dürfte es bei mechanischen Apparaturen, die einen recht zügig und zudem in umgekehrter Richtung der Erdanziehung transportierten, nicht unbedingt ein Verkaufsargument sein. Mir wäre eindeutig wohler gewesen, hätte ich Leib und Leben Schottlands neuestem in Betrieb genommenen Personenaufzug anvertrauen dürfen.”

Ich wünsche Gail Honeyman, dass es mit seinen zukünftigen Projekten ebenfalls bergauf geht. Verdient hätte er’s!

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