Fünf Gründe für Tante Poldi


Titel: Tante Poldi (und die Früchte des Herrn / und die sizilianischen Löwen)

Autor: Mario Giordano

Verlag: Bastei Lübbe AG

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (3 / 5)
Spannung: (5 / 5)
Sprache: (4 / 5)

Kaufempfehlung: ja

Leseempfehlung: im Urlaub


Am Wochenende bin ich gedanklich nach Sizilien gereist: Tante Poldi (eigentlich Isolde Oberreiter) will dort eigentlich ihren Lebensabend genießen, wird aber in einen (im Folge-Roman in einen zweiten) spannenden Fall verwickelt und bringt ihren Neffen mit blumigen Erzählungen laufend auf den aktuellen Ermittlungsstand. Der sollte eigentlich seinen Roman vollenden, erzählt uns aber hauptsächlich von Poldi und ihren Erlebnissen – zum Glück muss ich sagen.

Hier die fünf Gründe, warum du unbedingt Tante Poldi und die sizilianischen Löwen und in weiterer Folge Tante Poldi und die Früchte des Herrn lesen solltest.

Grund 1: Der Geschmack Siziliens
“Siziliens Küche ist wie das ganze Land, eine Überfülle an Aromen, Wundern, Sensationen. Eine spektakuläre Abenteuerreise für den Gaumen. Süß, salzig, bitter, scharf – die sizilianische Küche greift ins Volle und bedient in einem Gericht lustvoll sämtliche Sinne” (Tante Poldi und die sizilianischen Löwen)

Und genau diesen Geschmack transportiert Mario Giordano auf jeder Seite – mit einem leichten Hauch von bayerischem Obatzten 🙂


Grund 2: Italien richtig kennen lernen
Ganz beispielhaft dafür finde ich folgende Beschreibungen des Autors:

Bella figura ist das Credo Italiens. Zur Basisausstattung gehören eine gepflegte, dezent modische Erscheinung, ein guter Schuh und die richtige Sonnenbrille. Vor allem aber bedeutet Bella figura, immer gut rüberzukommen und niemals dumm dazustehen. Das ist für Italiener keine Option – sondern ein Muss. Aus der Nummer kommt man nicht raus, und es bedeutet auch, dass man seine Mitmenschen nicht in Verlegenheit bringt. Ungeduld geht gar nicht, direkte Konfrontationen – verpönt. Man teilt sich unter Freunden die Restaurantrechnung, man tritt nicht in Fettnäpfchen, man empfängt nie Gäste in einer unaufgeräumten oder gar schlecht geputzten Wohnung, man stellt keine intimen Fragen, man redet Menschen mit Hochschulbildung mit Dottore an, man bringt den Nachtisch mit, wenn man zum Essen eingeladen ist, und man isst alles schön auf, bis man platzt. Man vertraut der Kraft der Schönheit und der Verhältnismäßigkeit und versucht, die Welt so zu einem besseren Ort zu machen. Manchmal geilngt das sogar.” (Tante Poldi und die sizilianischen Löwen)

Wenn italienische Ingenieure eines versanden haben (…), dann die Bedeutung und Konstruktion der Hupe. Weil, die Hupe, des ist die Stimme und des Herz und die Seele des Fahrzeugs. Weil, auch das Fahrzeug will ja eine bella figura machen, will gut klingen, nicht aufdringlich sein, niemanden dumm dastehen lassen. Eine deutsche Hupe, des ist immer eine Kriegserklärung, die Invasionstruppen quasi bereits an der Grenze. Eine italienische Hupe dagegen klingt wie ein freundliches Räuspern, wie ein geflötetes: >Permesso?<, oder wie ein sanftes: >Ach, Signora, würden Sie wohl bitte anhalten, denn ich bin eh schon dabei, Ihnen die Vorfahrt zu nehmen, grazie, molto gentile.< Mit einer italienischen Hupe kannst auch einem Vigile ein Kompliment für seine schönen Augen machen. Sogar einen Heiratsantrag, jetzt lach nicht, kannst mit einer italienischen Hupe machen. Und die allerschönste Hupe der Welt hat immer noch die Vespa, da gibt’s nix. Wenn Romeo eine Vespa g’habt hätte, nachert hätte er seiner Giulietta unterm Balkon garantiert was vorg’hupt, und des wär fei keinen Strich weniger romantisch g’wesen.” (Tante Poldi und die Früchte des Herrn)


Grund 3: Die Poldi versteht davon was!
Die Poldi ist die Glorifizierung des Lieblingstanten-Phänomens auf höchstem Niveau. Und daher ist nicht nur der Ich-Erzähler (Neffe der Tante Poldi) sondern auch der Leser in Null Komma nix davon überzeugt, dass die Poldi alles kann, alles weiß und alles kriegt. Und davon versteht die Poldi wirklich was (vom Sex, vom Alkohol, vom Romane Schreiben, vom Kommunizieren, vom Leben, vom…die Liste ist beliebig erweiterbar)


Grund 4: Die blumige Sprache
Danke Mario Giordano für die italienische Art zu erzählen! Szenen, die Deutsche in zwei Sätzen abhandeln würden, füllen in deinen Büchern Seiten – ein wahrer Genuss!

“Und wieder war eine Woche bei meiner Tante Poldi um, und ich war stolz auf mich (…) Ich hatte einen Flow, ich war ein Magier der Adjektive, der Meister der Schachtelsätze, der König der Metaphern, der Dirigent der Gefühle, der Herrscher über ein Heer von verblüffenden, aber voll plausiblen Wendungen.” (Tante Poldi und die Früchte des Herrn)


Grund 5: Die Poldi
Genau der Stilbruch aus bayerischem Dialekt und sizilianischer Lebensfreude sowie ihren unvergesslichen und unerschütterlichen Weisheiten machen die Poldi so liebenswert:

  • “Mei, ein Prosecchino, das ist doch kein Alkohol!”
  • “Der Mann ist Kriminalkommissar. Und der Kriminalkommissar, merk dir des, ist die höchste Erscheinungsform des Menschen. Die perfekte Synthese aus Gefühl und Verstand.”
  • “Der Kriminalkommissar ist die höchste Erscheinungsform des Menschen, auch sexuell”
  • “Kräftig, dunkel und elegant, mit Halt und Wumms, einem spektakulären Abgang und einer zarten, geheimnisvollen Mandelnote. Flüssiger Commissario, sozusagen”

Ich hab sie richtig fest in mein Herz geschlossen und freu mich schon sehr auf die Forstetzung Tante Poldi und der schöne Antonio, die Ende Mai erscheinen wird.

Bis dahin: Namaste Poldi, “Lecktsmialleamarsch”

 

 

 

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