Halleluja, Gloria und Hosianna


Titel: Halleluja, Gloria, Hosianna, O sole mio

Autor: Johanna Alba / Jan Chopin

Verlag: Rowohlt Verlag

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (2 / 5)
Spannung: (4 / 5)
Sprache: (3 / 5)

Kaufempfehlung: ja

Leseempfehlung: im Urlaub


Was erwartet dich?

Wer streng Papst-gläubig ist, sollte um dieses Buch lieber einen Bogen machen. Allzu leicht könnte er sich von Johanna Alba und Jan Chorin auf die Schippe genommen fühlen. Dem Ehepaar gelingt es nämlich mit ihrem Protagonisten Papst Petrus, die Mundwinkel seiner Leser in Dauerschleife nach oben zu ziehen.

Johanna Alba hat selbst während des Studiums hinter dem Vatikan gewohnt und ich wette, die Beschreibung der Dächer von Rom, stammt aus ihrer Feder. Wer bereits einmal die Möglichkeit hatte, ein paar Tage in Rom zu verbringen, kann ganz schnell dieses spezielle Urlaubsfeeling und das Vita italiana zwischen den Seiten der drei Bücher “Halleluja”, “Gloria” und “Hosianna” entdecken.

Doch damit ist es noch nicht getan: Im vierten Band “O sole mio!” macht das Kirchenoberhaupt nämlich Urlaub und nimmt den Leser mit an die wunderschöne Amalfiküste (und auch in die 70er Jahre). Daher ist diese bisherige Krönung der vierteiligen Buchreihe als das, meiner Meinung nach, lustigste Buch jede Lese-reise wert.

Wer ist Papst Petrus?

In “Halleluja!” lernen wir Papst Petrus als menschennahen und fußballbegeisterten Papst kennen. Gemeinsam mit seiner Pressesprecherin Contessa Giulia und seinem Privatsekretär Francesco schlittert der Papst in einen spektakulären Kriminalfall hinein. Bei der Aufklärung nicht immer ganz dienlich ist ihm seine Haushälterin, die Nonne Immaculata.

Ihr gelingt es in der Demut einer absolut freudlosen Ordensschwester auch die Weihnachtskarten mit wegweisenden Anstößen zu versehen:

“Eine Weihnachtskarte kann ruhig auch einen kleinen Anstoß enthalten”, dozierte Immaculata. “Eine Inspiration. Einen liebevollen Hinweis, das eigene Leben zu überdenken. Wie schrieb ich einigen Staatsoberhäuptern so schön? Hell brennen die Lichter am Weihnachtsbaum, aber hell brennt auch das Fegefeuer. Und dort werden keine Bratäpfel geröstet, sondern Sünder wie Sie.” (Hosianna!)

Es ist nicht verwunderlich, dass also sogar im Vatikan der Haussegen ab und an schief hängt. Denn Petrus wird kurz und bündig als absolut gegensätzlich zu seiner Haushälterin beschrieben:

Petrus hatte schließlich niemals mehr werden wollen als Stadtpfarrer im römischen Arbeiterviertel Trastevere, aus dem er stammte. Und dafür benötigte man keine Fremdsprachenkenntnisse, sondern ein großes Herz, eine laute Stimme und abends einen vollen Teller Pasta. (Gloria!)

 

Was bedeutet es, Papst zu sein?

In jedem Fall: eine Menge Arbeit! Abgesehen von den Kriminalfällen, die Petrus in jedem Buch zu lösen hat, hat er auch sonst einiges zu tun. So sieht auch er sich mit alltäglichen Problemen wie dem Weihnachtsstress konfrontiert:

“Dass der Heiland aber auch gerade zu Weihnachten auf die Welt kommen musste…” (Hosianna!)

Zusätzlich muss sich der Papst mit den unterschiedlichsten Anfragen auseinandersetzen, sei es per Telefon oder persönlich.

Er war gerade dabei gewesen, die Aufstellung für das Derby der beiden römischen Fußballrivalen zu studieren, um sich ein wenig von seiner Weihnachtsansprache abzulenken. Mit der er sich dringend, sehr dringend befassen musste. Eine Unterbrechung konnte er da gar nicht brauchen. (Hosianna!)

Und zu guter Letzt hat er es immer öfter nötig, sich inkognito unters Volk zu mischen. Das geht sogar soweit, dass er sich in seinem Urlaub als Pfarrer aus der Provinz ausgibt.

 

Was kannst du dir für deinen Alltag mitnehmen?

Schon im ersten Band der bisher vierteiligen Reihe erkennt man sofort, dass dieser nicht ausschließlich komische Begebenheiten fokussiert. Auch religionskritische Ansichten bekommen ihren Platz. So beschreibt ein Moslem (eventuell zurecht) die Christen folgend:

“Und warum ist das Christentum nur Dekoration für euch? Weil ihr nicht wirklich daran glaubt. Gott wohnt im Himmel? Ach nein, noch kein Astronaut hat ihn gesehen. Gott hat den Menschen erschaffen? Aber nein, das hat doch die Evolution gemacht. Gott hilft uns in der Not? Brauchen wir nicht, dafür haben wir doch gute Versicherungen.” (Halleluja!)

Umso schöner, wenn der Papst die Position Gottes so an die Mitmenschen bringt:

“Gott ist die Liebe”, sagte Petrus leise. “Und darum muss auch die Kirche voller Liebe sein. (…)Natürlich gelingt es nicht immer, voller Liebe zu sein. Aber die Liebe hat einen kleinen Bruder. Er heißt Freundlichkeit.” (Halleluja!)

 

Wie der liebe Gott tickt?

In seinem Urlaub macht Papst Petrus die Begegnung mit einem Spaghetti kochenden Gott. Dieser erzählt von seinem Plan:

“Ich habe mich entschlossen, den Menschen die Freiheit zu geben”, erklärte Gott und rührte in der Soße. “Aber frei sind sie nur, wenn sie auch die Chance haben, Böses zu tun. Oder Falsches. Wenn immer der liebe Gott käme und Spaghetti kochen würde, sobald etwas schiefgeht, wären die Menschen unfrei.”
(O sole mio!)

Auf jeden Fall äußerst lesenswert ist die Begründung dafür, weshalb Gott in genau diesem Fall aber doch Spaghetti kocht. Und auf dem Weg dahin trainiert man auch noch gewaltig die Bauchmuskulatur!

Ich wünsche mir sehr, dass diese Bücher von vielen weiteren Lesern verschlungen werden, denn ich bin überzeugt davon, dass sie ihren Teil zur einer besseren Welt beitragen!

Lies doch mal:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*