Kühn, konstruktiv und kritisch: Kinder des Koran.


Titel: Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen.

Autor: Constantin Schreiber

Verlag: Ullstein Buchverlage GmbH


Constantin Schreiber setzt sich in seinem Buch konstruktiv mit den Differenzen der Schulbildung deutscher, iranischer, afghanischer, ägyptischer, palästinensischer und türkischer Schulkinder (im pubertären Alter) auseinander.

Der studierte Jurist spricht fließend Arabisch und machte sich mit arabischen TV-Sendungen und diversen Moderationen in der “Tagesschau” und dem ARD-“Nachtmagazin” einen Namen.

Als Fundament für seine Arbeit nutzt er Schulbücher, die in den muslimisch geprägten Ländern Afghanistan, Iran, Ägypten, Palästina und Türkei, eingesetzt werden. Zur Übersetzung der rund 100 angefragten und bewerteten Unterrichtsschriften zog er, trotz seiner erstklassigen Ausbildung, zertifizierte Dolmetscher und Erziehungswissenschaftler zu Rate, die eine objektive und fundierte Analyse der Schulbücher ermöglichten.

Aktualitätsbezug hat “Kinder des Koran” allemal, macht man sich die Konsequenzen bewusst, welche eine antiwestliche Tendenz, die laut jungen, absolut modernen und reflektierten Muslimen mit ausländischen Wurzeln in deren Schulbüchern völlig normal sei, bei der Einreise junger Muslime in Deutschland bewirken könnte.

Schreiber strukturiert seine Arbeit landesspezifisch und weist den Leser auf partielle Besonderheiten hin. Gleichzeitig ermöglicht er aber, mithilfe wörtlich übersetzter Schulbuch-Auszüge, eine subjektive Einschätzung des Lehrmaterials.

Ich hätte mir ein bisschen mehr Distanz anstelle der vorsichtigen Glorifizierung des deutschen Schulsystems gewünscht, denn auch in unseren Schulen ist nicht alles richtig!
Nichtsdestotrotz ist seine Kritik in vielen Bereichen absolut gerechtfertigt, wenn man, mit solch verzerrten Darstellungen wie im verwendeten ägyptischen Geschichtsbuch, konfrontiert wird.

Schreiber schildert sowohl Aufmachung, Gestaltung und Finanzierung der Schulbücher als auch seine Hürden bei der Informationsgewinnung über die Entwicklung derselben. Er nimmt Bezug auf Didaktik und Unterrichtsgestaltung und kreiert dadurch einen besonders facettenreichen Eindruck des Unterrichts in den behandelten Ländern.

Ein erschreckendes aber interessantes Buch für jeden, der sich mit einer der größten Weltreligionen auseinandersetzen möchte.

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