Mit Niederlagen umgehen lernen

Eine Rechtfertigung vor mir selbst

Zugegeben, ich bin wahnsinnig schlecht darin, mir meine Fehler einzugestehen. Aber man lernt nie aus. Dieser Beitrag ist ein Versuch, besser zu werden. Generell. Und darin, Versagen zu akzeptieren. 

Wider Erwarten hat meine Teilnahme am Vorauswahl-Verfahren für das Studium im gehobenen Dienst zum letzten Meilenstein, einem eintägigen Prüfungsverfahren, geführt. Voller Vorfreude auf diese Chance, habe ich vier Wochen lang das Geheimnis über die Teilnahmemöglichkeit gehütet, um ein etwaiges Nicht-Bestehen vor Niemandem äußern zu müssen. Einen Monat lang habe ich mich heimlich vorbereitet. Gestärkt durch Prüfungserfolge in der Vergangenheit und den Zuspruch erfahrener Beamter, die jenes Verfahren und das darauffolgende Studium bereits erfolgreich absolviert haben, stellte ich mich selbstbewusst dem Projekt „Aufnahmeprüfung für die 3. QE“. 

1. „Was soll schon schief gehen?“ 

Einige Prüfungselemente verfolgten mich jede Nacht: besonders das Kleinbank-Springen. Dabei muss 30 Sekunden lang beidbeinig – hin und her – über ein Hindernis gesprungen werden. Geprüft werden dabei wahrscheinlich Kraft, Konzentration, Ausdauer und Beweglichkeit; genau verstanden habe ich diese Übung nie! Vielleicht, weil ich sie so absolut nicht ausstehen kann 🙂 Ich habe darin also schon im Sport-Aufnahmetest für die 2. Qualifikationsebene, trotz intensiven Trainings, nicht besonders gut abgeschnitten. Den Tiefpunkt habe ich im Herbst erreicht, als ich in genau dieser Übung mit einem Punkt (Schulnote 5) bewertet wurde, woraufhin mein Lehrer trocken feststellte „Das ist nicht deine Disziplin!“ Dieser Misserfolg setzte sich so penetrant in meinem Kopf fest, dass ich die anderen Prüfungsbausteine hierarchisch dahinter einordnete. 


2. Das hast du schon mal geschafft!

Viele Erfahrungsberichte, unter anderem die Gespräche mit meiner Einstellungsberatung, haben mich darin bestärkt, den theoretischen Teil, mühelos absolvieren zu können. Das Einzelinterview entspräche dem, das für die Einstellung in den mittleren Dienst geführt würde und eine Gruppendiskussion dürfe für mich kein Problem sein. In beiden Prüfungen hatte ich bei der Einstellung in die zweite Qualifikationsebene ein „sehr gut”. Dennoch hinterfragte ich mein damaliges Vorgehen. Ich bereitete mich intensiv auf die theoretischen Leistungen vor: Immer wieder spielte ich mögliche Fragen und Situationen gedanklich durch. Ich wollte kompetent wirken, überlegte Strategien, wie ich meine Eignung bestmöglich präsentieren konnte und informierte mich detailliert über die Studienanforderungen.

3. Gib alles!

Bevor ich den Tag startete, las ich diesen Vers: „Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten“ (Markus 11, 24). Ein Wink mit dem Zaunpfahl; also betete ich natürlich für das Bestehen der Prüfung. Während des Prüfungstages fühlte ich mich relativ sicher. Im Kleinbankspringen bekam ich sogar eine 1. Ja, das gleicht einem Wunder! Umso überraschter war ich, als ich den Test zwar bestanden, aber verhältnismäßig eher zu schlecht für eine Einstellung ins Studium abgeschnitten hatte. 


4. Was ich mir nicht vorzuwerfen habe:

Definitiv habe ich mich gründlich und ausgiebig darauf vorbereitet. Ich habe mein Bestes gegeben. Auch, wenn die Sportnoten (ausser sie sind unterirdisch) nicht über Bestehen oder Verfehlen entscheiden, habe ich alles aus mir rausgeholt. Die Gesamtorganisation inklusive Anreise, der Fertigung neuer Bewerbungsunterlagen sowie der Freistellung vom Dienst war zeit- und kostenintensiv.  

5. Was ich mir vorzuwerfen habe:

Im Vergleich zu meinem bereits abgeschlossenen Studium, konnte ich mich nicht mit allen Inhalten des angestrebten Studiums einhundertprozentig identifizieren. Vielleicht habe ich mich zu sehr im Karriere-Wunsch verloren, um den Tests der Prüfung die benötigte Konzentration zu schenken. Mit Sicherheit, hätte ich den Bibelvers vollständig lesen und verstehen sollen: „Worum ihr im Gebet auch bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, dann werdet ihr es auch erhalten“ bedeutet, wir müssen uns selbst sehr gut kennen! Die Talente, Gaben, Fähigkeiten, die wir benötigen, besitzen wir bereits. Manche sind natürlich ausbaufähig, aber wenn wir Gottes Plan folgen, wird er uns nicht in eine Position setzen, für die wir nicht geschaffen sind. 

6. Die Perspektive; darum solltest du sie wechseln!

Eine liebe Kollegin, der ich von meinem schlechten Ergebnis berichtet habe, sagte: „Schau mal, wie weit du schon gekommen bist!“ Wieso bin ich davon überzeugt, ich müsste immer noch höhere Ziele anstreben und noch größere Anstrengungen in Kauf nehmen? Was macht der gesellschaftliche Druck, der auf Interaktion, Produktion, Bewegung und Geschwindigkeit ausgerichtet ist, mit mir, wenn ich stehen bleibe? Wieso blicke ich nicht zurück auf das, was ich bereits geschafft habe? Nach diesem Gespräch konnte ich meine Blickrichtung ändern – auf das, was ist: Familie und Freunde, die mir die Wahrheit sagen und immer für mich da sind, eine beständige und glückliche Beziehung zu dem Mann, den ich über alles liebe, Gesundheit und Frieden innerhalb meiner vertrauten Umgebung. Plötzlich darf ich Gott unendlich dankbar für die Gegenwart sein, ohne mir Sorgen um die Zukunft machen zu müssen!

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