Sagenhaft: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte


Titel: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Autor: Jorge Bucay

Verlag: Fischer

Wort.boutique Rating: 

Originalität: (4,0 / 5)
Spannung: (2,0 / 5)
Sprache: (4,0 / 5)

Kaufempfehlung: ja

Leseempfehlung: dann, wenn man sein Leben in Angriff nehmen möchte!


Sagenhaft: 

Jorge gelingt in seinem Buch etwas besonderes:

Er betrachtet sich selbst als Jorge, den Therapeuten, aus der Perspektive des Ich-Erzählers Demian und hilft diesem aus einer Lebenskrise, die allein durch das „Sein“ und aus dem Strudel an „sich selbst“ genährt wird.

Wie Jorge diese schier unlösbare Aufgabe bewältigen kann? Er erzählt Demian Geschichten. Sagenhafte, spannende, tiefgründige, bewegende und kurzweilige Geschichten, die nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Nachhandeln anregen.

Besonders beeindruckend ist, dass sich Demians Lebenskrisen aneinanderreihen wie die Perlen einer Halskette. Nicht alle Fragen, die er sich stellt, sind mir bekannt. Nicht jede Suche nach dem Sinn kann ich nachvollziehen. Dennoch empfand ich die märchenhafte Therapie mitreißend. Um ein Vielfaches mehr zogen mich die Therapiesitzungen, deren Themen mich selbst beschäftigen, in ihren Bann.

Ohne zu viel verraten oder mich verlieren zu wollen, hier ein kleiner Auszug mit Bezug zu meinem Alltag:

Ich kam kürzlich in die Situation, offensichtlich angelogen zu werden. Jorge unterscheidet zwar zwischen „nicht die Wahrheit sagen“ und „lügen“, aber die Quintessenz der Kapitel, die sich damit auseinandersetzen, dass Demian es ebenfalls überhaupt nicht leiden kann angelogen zu werden, ist: Wechsle die Sichtweise!

Du wirst Leute treffen, denen du so vollständig zugestehst zu sein, wie sie sind, daß es ihnen niemals einfallen würde, dich zu belügen. Das sind deine wahren Freunde.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen es bevorzugen, nicht angelogen zu werden.

Du verbeißt dich so sehr, weil du glauben willst, daß das, was man dir sagt, stimmt!

Nun, eigentlich sind wir, „die Angelogenen“, nicht die Opfer der Lüge. Die Lügner sind es. Sie machen sich Gedanken und legen sich eine Wahrheit zurecht, um das Gegenüber nicht zu verletzen oder, um das Gegenüber nicht wütend zu machen (also das eigene Verhalten abzuändern / zu verbergen). Die Lüge verhält sich immer stringent zum Angelogenen und zur Entscheidung, die Emotionen des Gegenübers zu beeinflussen.

Davon abgesehen, dass jede Lüge irgendwann ans Licht kommen wird, belastet sich der Lügner selbst unverhältnismäßig mehr als den Belogenen.

Wir sind keine Opfer, wenn wir uns einfach weigern, die Lügen – vor allen Dingen diejenigen, die so offensichtlich sind – zu glauben.

Niemand läuft eher Gefahr, getäuscht zu werden, als der, dessen Wünschen die Lüge zuträglich ist.


In den rund 60 kurzen Geschichten stellt Jorge kreativ und direkt Möglichkeiten dar, aktuelle Situationen zu verbessern – in dem man “einfach” den Blickwinkel ändert: 

Wenn das, was du siehst, auch nur annähernd zu dem wird, was dir am besten behagt – so mißtraue deinen Augen!

Unter der Prämisse, einen langen, anstrengenden Weg einzuschlagen, der einen vielleicht nie ans Ziel bringt, kann es Jedem gelingen, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen! 

Das (und viele andere Ansätze) nehme ich für mich persönlich aus diesem Buch mit. Ich werde es empfehlen und verleihen – aber immer wieder zurückfordern, denn jetzt ist es auch ein bisschen meine Geschichte!

Lies doch mal:

1 Kommentar

  1. Eine klar nachvollziehbare und persönliche (und somit gute) Rezension, die mich jetzt noch mehr überzeugt hat, mir das Buch auszuleihen! Sehr aufschlussreich, ohne jedoch allzu viel vorwegzunehmen, werde mir mit Vergnügen bald selbst ein Bild davon machen.

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