Schlechtes Gewissen

Verzweifelt überlege ich, welches Bild zu diesem Artikel passen könnte. Ich bin unschlüssig. Denn das, was ich damit ausdrücken möchte, ist nicht mit dem Gefühl der “Schuldigkeit” gleichzusetzen. Es geht um das echte schlechte Gewissen, nicht das, das man hat, wenn man an den Feiertagen zu viel Süßigkeiten gegessen hat.

Meine Schwestern und ich kamen oft in den Genuss der Schlechtes-Gewissen-Erziehung. Das System funktioniert so: Es erscheint anfangs, man dürfe alles tun, gleichzeitig wird aber an das Gewissen der Kinder appelliert, dies oder jenes ja gerade nicht zu tun. Besonders gelungen waren dabei Sätze wie “Du machst ja doch, was du für richtig hältst” (einen guterzogenen Charakter voraussetzend, der sich den Folgen seiner Tat bewusst ist und schlechte daher vermeidet) oder “Mach, was du willst!” (häufig die Resonanz auf Fragen, deren ursprüngliche Antwort “Nein” gelautet hätte).

In einem Gespräch mit nahestehenden Verwandten unserer Erziehungsberechtigten, das die “Schlechtes-Gewissen-Strategie” zum Thema hatte, wurde mir unterstellt, die Täter-Opfer-Rolle umzudrehen. Die Erziehungsberechtigten trügen keine Schuld an dieser Konfrontation, die ich mit mir selbst habe. Ich würde nur einen Schuldigen suchen.

Diese Diskussion – voraussetzend, dass Blut dicker sei als Wasser – könnte bis zum sprichwörtlichen Ausbluten dieses Generationenkonflikts ausgetragen werden.

Meiner Meinung nach wurde das schlechte Gewissen als Grundnuance jedem Menschen in die Wiege und manchem auch in die Wege gelegt: Zum Schutz der eigenen Person, des Miteinanders und Anderer.

Ich erlebe es als Reaktion auf mein eigenes Verhalten. Wenn ich etwas getan habe, von dem ich weiß, dass es mir oder anderen schaden könnte. Kürzlich verhielt ich mich meiner Kollegin gegenüber fehlerhaft. Sofort wollte ich diese Ungereimtheit aus dem Weg räumen, doch meine Entschuldigung wurde nicht angenommen und damit stellte sich mein schlechtes Gewissen ein. Weil sie nicht bereit war, mir zu verzeihen, konnte ich mich diesem Gefühl nicht entledigen. Ein verkrampfter Bauch, zerknirschte Zähne und aggressive, unabbaubare Energien tragen das Gewissen von meinem Kopf in meinen Körper und bei vehementen Vergehen auch in meine Seele.

Es ist eine äußerst konstante Emotion: Dieses allgegenwärtige schlechte Gewissen. Es nagt an deiner Lebensfreude und zerkrümelt deine Selbstachtung. Wenn es dich ganz fies erwischt, verfolgt es dich bis in deine Träume.

Wie wichtig ist es daher, einander zu verzeihen. Am konkreten Beispiel stellte sich das Schuld-Bewusstsein erst vollends ein, als die Reaktion meiner Kollegin auf mein Verhalten bekannt wurde. Sie hat mir nicht verziehen. Ihr wisst alle selbst, wie quälend dieses Gefühl sein kann. Machen wir uns das Leben nicht schwerer als es schon ist. Lernen wir, einander zu verzeihen!

Alles Liebe und viel Vergebung für die Weihnachtsfeiertage <3

 

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