Vom Sterben der Lebenden

Wieso kann man niemanden fragen, was nach dem Leben kommt? Ob Sterben schlimm ist, ob man seine Lieben hinterher sehr vermisst, ob man Dinge bereut und was man anders machen würde? Wieso gibt uns niemand das Patentrezept? Gibt es das überhaupt? Irrelevant! Denn es wäre doch kein Mensch dazu berechtigt: Schlussendlich sind unsere Bedürfnisse nämlich so divers wie wir selbst.

Ist das Leben, mit welchem sich jeder einmal – nämlich spätestens beim eigenen Tod – auseinandersetzen muss, nicht unser größtes Geschenk? Ist uns bewusst, wie schnell das alles vorbei sein kann, oft unverschuldet – trotz größter Vorsorge?! Wozu haben wir denn eine Lebensversicherung?

Gottes Plan, ob durch einen Herzinfarkt, das nächste Auto oder den Krebs geht auf. Und dabei hat sich unser Vater im Himmel doch so genau überlegt, wie wir werden sollen. Eine Urknall-Theorie mag in meinen Kopf nicht reinpassen. Wie soll das aufeinanderprallen von Steinen ermöglichen, dass und wie wir sind? Vor unseren Augen, die so filigran konstruiert sind, uns zeitgleich ermöglichen die Welt zu betrachten und das aus verschiedenen Blickwinkeln – spielt sich oft die eine Wahrheit ab, die wir alle unterschiedlich interpretieren. Doch auch das innere Auge deutet alles individuell. Bei aller Vernunft, das kann nicht durch den Zusammenstoß mehrerer Tonnen Gestein passieren.

Wer hat den Krebs erfunden? Und warum? Und wen lassen wir alleine, wenn wir gehen? Lassen wir überhaupt jemanden alleine? Lassen sich Gottes Plan und unser Handeln vereinbaren? Wenn ja, wie?

Sind wir nicht viel zu klein, um uns über Gottes Taten zu ärgern, wenn doch unser Bewusstsein nur einen Bruchteil des Ganzen annähernd begreifen kann, und dabei sich selbst zur Stolperfalle wird?

Wenn wir nicht auf Gott vertrauen, dann müssen wir uns alleine mit dem Leben herumschlagen. Angst vor dem Tod und – meiner Meinung nach noch viel schlimmer – die Angst vor dem Leben sind das Resultat. Wieso machen wir uns Sorgen über Dinge, die wir nicht beeinflussen können und wo bleibt das Gottvertrauen, das uns aus dieser beklemmenden Falle herausführt. Die Höhle, die uns einschließt, weil wir nur graue, dunkle, nasse Steinwände zu sehen vermögen, wirkt im dunkeln – trotz eingeschränkter Sicht – viel größer als sie in Wahrheit ist. Unser Vater im Himmel bietet uns eine andere Perspektive an. Er leitet unseren Blick auf den Weg, der aus dieser Beklemmung führt. Unser inneres Auge, die subjektive Wahrnehmung und belastende Gedanken versperren uns oft die Sicht auf das kleine Licht, das den Sorgen ihre Grenzen und der Freiheit ihren Weg weist.

Sorgen sind absolut fehl am Platz, wenn wir auf Gott Vertrauen wollen!

Wenn wir demjenigen, der den großen Plan hat, nicht unsere Nöte hinwerfen dürfen, wem dann? Und wem schreien wir unsere Verzweiflung ins Gesicht?

Was kann denn ein Kind dafür, dass es entstanden ist und von Grund auf unschuldig war? Wer hat denn schon das Recht, Leben zu nehmen, wenn nicht der, der es gegeben hat?!

Gibt es die eine Wahrheit darüber, was nach dem Tod kommt? Welches ist die beste Möglichkeit mit dem Tod umzugehen? Wie nahe muss, darf, kann oder soll ich so etwas an mich ranlassen? Ist es sinnvoll, sich vor einer Begegnung mit dem Tod damit zu befassen? Wann sollte man die Chance ergreifen, sich das Ende vor Augen zu halten, ohne sich damit die Sicht aufs Leben zu versperren? Nutzen wir wirklich jeden Tag, jeden Moment mit dem Bewusstsein über die Vergänglichkeit, die sich erst im Alter vor unserem inneren Auge ausbreitet?

Machen wir uns bewusst, dass es tausend wichtigere Dinge gibt als die Arbeit, Schule oder Schulden? Und ich behaupte frei weg, wenn wir das tun, dann viel zu selten!

Wie verhalten wir uns, wenn die wichtigsten Menschen uns und deren Leben verlassen? Sind wir dann alleine? Ganz alleine? Oft haben wir keinen Lebenswillen mehr, weil wir nicht wissen, wofür wir ohne sie auf dieser Welt bleiben sollen. Aber lebt sich das Leben nicht auch ohne Willen? Ist Vorbereitung auf den Tod eines Vaters, eines guten Freundes oder gar der großen Liebe möglich, wenn der Moment, dessen Nachbereitung so viel Kraft in Anspruch nimmt, so extrem kurz ist?

Oder sollten wir uns etwas Unvergängliches suchen, dass uns nicht nur im Schmerz Halt gibt sondern immer? Einen Gott, der dein Vater ist, dich liebt und für dich da ist. Der dir einen Teil seiner Selbst gegeben hat: deine Seele. Der dich bedingungslos gerne im Himmel beheimatete: dann, wenn es in seinen Plan für dich und dein Leben passt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man mit Gott als Nummer eins definitiv kein leichteres Leben hat, aber ein leichteres Lebensende. Denn zu wissen, dass man in den Himmel kommt, nimmt einem die Angst vor dem Sterben, die Trauer beim Tod eines geliebten Menschen – den man wiedersehen wird – und die unterschwellige Sinnlosigkeit des Lebens.

 

In diesem Sinne nahm ich in der Gewissheit des ewigen Lebens tieftraurig, aber äußerst dankbar Abschied von meinem großzügigen und liebevollen Großvater: Er wird immer als verdienstvolle und trotzdem bescheidene, auf Gott bauende und bedingungslos liebende Persönlichkeit in würdiger Erinnerung bleiben und ist mir damit oft noch näher als zuvor. Bis wir uns wiedersehen!

Lies doch mal:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*