Von der Tiefgründigkeit und kleinen Dingen.

Es gibt Songs, die mit dem ersten Anschlag direkt in mein Herz dringen. Bedingt durch die Situation, mit guten Freunden auf einer einsamen Hütte vor wunderschönem Bergpanorama zu sitzen, die Stille zu genießen und sich von den wenigen Sonnenstrahlen einfangen zu lassen, die sich kaum, dass sie sich gezeigt haben, wieder sanft zurückziehen, bedeuten sie unglaublich viel mehr als jede andere Melodie.

Hang loose, das sich kaum anders beschreiben lässt als mit dem Gefühl absoluter Schwerelosigkeit, die den lauen Wind durchdringt, ihn davon trägt und mit ihm die stillen Töne deiner Seele offenbart: wo sich die tiefgründigen Worte einer Geschichte von Licht und Dunkelheit ihren Weg bahnen. Sie gleiten langsam und nachgängig in deine Gedanken, halten sich daran fest und begleiten deinen Lebensatem bis in die Blutbahn. Sie dringen unter die Haut und strömen vom Herz in das Bewusstsein des „Selbst“. Die Sinne werden schärfer: Das Licht ist heller, der Wald grüner und die Gerüche um viele Nuancen intensiver.

Wie selten kommt man in den Genuss, diese Schwerelosigkeit bewusst wahrnehmen zu dürfen, sich selbst in genau diesem bewussten Moment fallen lassen zu können?!

Und wieso erlebe ich das so intensiv? Weil wir verbunden mit der Natur die menschliche Welt voller Oberflächlichkeiten, den Geltungsdrang und den schönen Schein vergessen? Weil die Herrlichkeit von innen kommt und Musik mit all ihrer Tragweite ermöglicht, Sorgen einzufangen, zu bündeln und in die Tiefe des Herzens zu leiten?

Es fällt auf einmal leicht, sich seiner Lasten bewusst zu werden, sie mit sich selbst ins Reine zu bringen und damit gebündelt abzugeben: bewusste Sorglosigkeit, die nicht an der Oberfläche kratzt sondern eine Leere in deiner Seele schafft. Dort, wo Ängste, Druck und Hass sich eingenistet haben. Leere, dort wo Konflikte und negative Werturteile wohnten.

Wie nutzen wir diesen Raum, der uns gar nicht bewusst war, weil er ständiger Wegbegleiter unseres Seins ist, sich ab dem Schulkind-Alter an die Versen heftet und uns dann auf Schritt und Tritt begleitet, um sich schließlich als Schatten unseres Wesens in seiner Dunkelheit über die Fröhlichkeit legt?

Unbemerkt und schleichend frisst er die Sonnenstrahlen des Gemüts. Wie hell die Sorglosigkeit strahlen kann, macht unsere dunkelverwöhnten Augen blind, wenn die Tiefgründigkeit der Freude die seltene Gelegenheit ergreift und sich heimlich den Platz zurücknimmt, den wir ihr von Kindesbeinen an geben hätten sollen.

Blind vor Unglauben, blind vor Wahrnehmungsstörung, blind für die kleinen Dinge, die man gar nicht so nennen sollte, denn was sind daraus folgernd schon große Dinge? Müssen immer nur die kleinen Dinge schön sein oder dürfen auch große Dinge den unaufhörlichen Frieden in unsere Seele Einzug halten lassen?

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