Wenn aus Hass Liebe wird

In seinem kleinen Büchlein “I hate you sweetheart” beschreibt Milan Meder das Phänomen der stark emotional ambivalenten Beziehung zwischen Johanna und Johannes.

Johanna zieht ihres Studiums wegen nach Freiburg und macht dort sogleich die Bekanntschaft mit Johannes. Diese Begegnung steht jedoch alles andere als unter einem guten Stern. Johanna beginnt sofort damit, die Situation zu analysieren und Johannes als mobbenden Macho in ihrem Kopf abzuspeichern. Dementsprechend geht sie im Verlauf weiterer Begegnungen mit ihm um. Auch wenn sie beim ersten Augenblick (im wahrsten Sinne des Wortes) ahnt, dass da mehr dahinter stecken könnte.

Milan Meder wechselt in seiner Erzählung zwischen den Perspektiven von Johanna und Johannes. Das ermöglicht dem Leser eine hindernisfreie Gedankenübernahme der beiden Protagonisten. Vielleicht erachte ich Johanna als Hauptfigur, weil sie die erste ist, die in diesem Buch auftritt und weil ich eine Frau bin und mich besser mit ihrer Gefühlswelt identifizieren kann.


Der sprachlich etwas unbeholfene Einstieg trägt viel zu den Sympathie-Werten des Hobby-Autors Milan Meder bei. Wer über den Einstieg hinauskommt wird mit einer kurzweiligen Lektüre entlohnt. Besonders gut haben mir die Vergleiche der Gefühlswelten gefallen.

In ihrem Blick habe ich damals die Unendlichkeit gesehen. Vielleicht das ewige Leben, wenn es so etwas geben sollte.
(Johannes, S. 8)

Doch ich habe in seinen Augen etwas gesehen. Ein goldenes Band! Eine goldene Kugel, einen Regenbogen ins Jenseits?
(Johanna, S. 10)

Manchmal hätte ich mir eine ausgiebigere Beschreibung der einzelnen Situationen gewünscht. Doch ich denke nicht, dass es dem Autor in erster Linie um eine hübsche Geschichte ging.


Zwischen den Zeilen konnte ich herauslesen, dass er die Kategorisierung von Fremden und ihr – vom Gegenüber persönlich interpretiertes – “Fehlverhalten”, das als Charakterschwäche gewertet wird, thematisiert. Denn im Grunde hat jeder Mensch eine Motivation, die es zu hinterfragen lohnt, für sein Handeln. Die Ähnlichkeit der beiden Protagonisten im Umgang mit schwierigen Situationen wird im letzten Drittel der Erzählung herausgearbeitet:

Kurzerhand meldete ich mich auf einen Workshop zur inneren Transformation an.
(Johannes, S. 22)

Ich würde die nächsten zwei Wochen auf ein Selbstfindungsseminar gehen.
(Johanna, S. 23)


Auf der letzten Seite des Büchleins versucht Milan Meder das Grundverständnis für sein Gegenüber zu vermitteln. Auch, wenn es das für Straftäter betrifft, die eben oft aus der Opferrolle heraus ein aggressives Verhalten an den Tag legen, da sie das eigene Leid nicht reflektieren konnten.

Eine kurze Lektüre, die aber lange in meinen Gedanken herumgeisterte!

 

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